Führen mit Humor…

…aber bitte richtig!

Any man who has had the job I’ve had and didn’t have a sense of humor wouldn’t still be here."

Harry S. Truman

Führung ist ein ernstes Thema, immerhin geht es um viel Geld, da hat Humor keinen Platz… oder vielleicht doch? Dass ein gewisser Sinn für Humor mit weniger Stress und einer besseren körperlichen Gesundheit einhergeht, ist bereits langjährig bekannt, aber kann man das auch sinnvoll mit Führung verbinden? Der Aspekt Humor im Bereich der Führung wird zwar eher selten betrachtet, die Führungsforschung kommt da allerdings zu einem klaren Ergebnis: Führung und Humor geht gleichzeitig. Aber nicht genug mit einer reinen Koexistenz, Humor kann zum Führungserfolg beitragen. Entscheidend ist dabei allerdings eine Frage: In welcher Form?

 

Um diese Frage zu beantworten, muss man zuerst einmal mit einer wissenschaftlichen Betrachtung von Humor starten. Dabei fällt es schon schwer, den Begriff Humor oder auch Sinn für Humor wirklich zu definieren, da es vielfältige Verständnisse davon gibt. Einfacher und in der Forschung häufiger vertreten ist jedoch eine Aufteilung von Humor in verschiedene Formen bzw. Stile. Um Humor zu erfassen, lassen sich vier grundsätzliche Formen unterschieden, abhängig davon, gegen wen sich der Humor richtet und welche Intention dahinter zu finden ist:

 

  • Als selbstaufwertenden Humor bezeichnet man eine wohlwollende Form, die sich auf die eigene Person bezieht. Trotz stressiger Situationen oder Rückschlägen wird ein humorvoller Umgang bewahrt, indem die lustigen Facetten betrachtet werden, um sich aufzuheitern, wenn es einem schlecht geht. Diese Form kann helfen, negative Emotionen zu reduzieren und mit unangenehmen Situationen umzugehen.
  • Affiliativer Humor bezeichnet die zweite wohlwollende bzw. gutartige Form von Humor, die sich allerdings auf andere Personen bezieht. Hierunter fallen bspw. harmlose Witze, lustige Geschichten oder auch das Amüsieren von anderen zur Verbesserung der Beziehung. Diese Form kann Beziehungen zu Mitmenschen verbessern und ein positives Klima schaffen.
  • Betrachtet man die schädliche Seite von Humor, bildet selbstzerstörerischer Humor die dritte Variante. Indem man sich selbst zur Zielscheibe von Spott macht, setzt man Humor ein, um andere zu belustigen. Diese Form kann zwar ebenfalls Beziehungen verbessern, jedoch auf die eigenen Kosten und kann unter Umständen auch das Bild und die Gefühle andere Menschen gegenüber der eigenen Person negativ beeinflussen.
  • Die letzte Form von Humor, aggressiver Humor, verbindet die Richtung auf andere Personen mit einem schädlichen und verletzenden Inhalt. Sarkasmus, Neckerein, Spott und Verunglimpfung lassen sich hier als Beispiele nennen. Diese letzte Form kann andere verletzten und zu einer Vergrämung führen, welche die sozialen und interpersonellen Beziehungen schädigen, was wiederum negative Folgen für das Arbeitsklima haben kann.

 

Welche Form von Humor vermehrt auftritt, hängt allerdings auch von der Arbeitsumgebung und –situation ab. So kommt selbstzerstörerischer und aggressiver Humor vermehrt in Veränderungsprozessen vor, die von Mitarbeitenden eher als negativ und unsicher eingestuft werden. Vermehrter aggressiver Humor kann sogar als Indikator für erhebliche Belastungen einer Person betrachtet werden.

 

Ein humorvoller Umgang mit stressenden Situationen und belastenden Ereignissen hingegen kann das Stressempfinden reduzieren und die Gesundheit erhalten. Dabei wirkt Humor wie ein Puffer, der die negativen Folgen abfedert. Bleibt man bei diesem speziellen Fokus auf die Gesundheit, so lässt sich durch Humor nicht nur eine stresspuffernde Wirkung für sich selbst, sondern auch für andere bspw. die Mitarbeitenden erzielen. Dieser gesundheitsförderliche Effekt ist jedoch nicht die einzige Auswirkung, die ein Sinn für Humor der Führungskraft bei den Mitarbeitenden bewirken kann. Dabei wirken sich die verschiedenen Formen von Humor allerdings unterschiedlich aus. Forschungsergebnisse belegen dabei besonders für den selbstaufwertenden und affiliativen Humor positive Wirkungen in Bezug auf die Mitarbeiterführung. Nutzt die Führungskraft solche Formen des Humors, zeigen sich bei den Mitarbeitenden

  • eine bessere Arbeitsleistung,
  • eine höhere Zufriedenheit mit der Arbeit sowie der Führungskraft,
  • ein stärkerer Teamzusammenhalt,
  • eine höhere Zufriedenheit mit der Führungskraft,
  • eine bessere Beziehung zur Führungskraft
  • ein besseres Psychisches Wohlbefinden und
  • eine geringere Fluktuation.

Auch in Bezug auf die Organisationskultur, speziell Kommunikation und Kreativität, wirkt sich ein wohlwollender Humor positiv aus. Aggressiver Humor hingegen führt eher zu einem geringeren psychischen Wohlbefinden bei den Mitarbeitenden und kann dem Arbeitsklima schaden.

 

Was genau bedeutet dies aber nun für das eigene Führungsverhalten? Jeden Tag mindestens einen Witz erzählen? So einfach ist es natürlich nicht, zumal auch bei Humor wieder Authentizität gefragt ist.

 

Man kann aber versuchen Humor erst einmal als das zu betrachten was es ist – grundsätzlich positiv – gleichzeitig aber auch sensibel für die schädlichen Formen zu sein und zu intervenieren, wenn diese auftreten. Das beinhaltet aber auch, Humor einen gewissen Raum zuzugestehen und zu versuchen selbst an Missgeschicken und Fehlern seiner Mitarbeitenden aber auch den eigenen etwas Humorvolles zu finden.  

Die Hazelnut Consulting GmbH bietet Vorträge zum Themenfeld Führung an, in dessen Rahmen der Effekt von Humor in verschiedenen Situationen genauer beleuchtet wird.

Literatur:

 

Kim, T.-Y., Lee, D.-R. & Wong, N., Y., S. (2016). Supervisor Humor and Employee Outcomes: The Role of Social Distance and Affective Trust in Supervisor. Journal of Business Psychology, 21, 2015-139.

 

Kong, D. T., Cooper, C. D. & Sosik, J. J. (2019). The state of research on leader humor. Organizational Psychology Review, 9 (1), 3-40.

 

Mesmer-Magnus, J., Glew, D. J. & Viswesvaran, C. (2012). A meta-analysis of positive humor in the workplace. Journal of Managerial Psychology, 27(2), 155-190.

 

Romero, E. J. & Cruthirds, K. W. (2006). The Use of Humor in the Workplace. Academy of Management Perspectives, 20(2), 58-69.

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